Sexuelle & Reproduktive Gesundheit & Rechte (SRHR)
Basierend auf der Definition der sexuellen und reproduktiven Gesundheit im Aktionsprogramm der Weltbevölkerungskonferenz, ICPD ergeben sich folgende Rechte:
Reproduktive Rechte
Reproduktive Rechte sind die Rechte von Paaren und Individuen:
- Frei und eigenverantwortlich über die Anzahl, den Geburtenabstand und den Zeitpunkt der Geburt ihrer Kinder zu entscheiden, sowie über die dafür nötigen Informationen, Kenntnisse und Mittel zu verfügen
- Das Höchstmaß an sexueller und reproduktiver Gesundheit zu erreichen und die Fortpflanzung betreffende Entscheidungen frei von Diskriminierung, Zwang und Gewalt zu treffen
Die Förderung der eigenverantwortlichen Ausübung dieser (reproduktiven) Rechte sollte die Grundlage für Regierungs- sowie lokal unterstützte Maßnahmen und Programme auf dem Gebiet der reproduktiven Gesundheit einschließlich Familienplanung sein. (ICPD Art. 7.3)
Sexuelle Rechte
Sexuelle Rechte sind die Rechte aller Menschen:
- Frei und eigenverantwortlich alle Aspekte ihrer Sexualität zu bestimmen, wozu auch Schutz und Förderung ihrer sexuellen und reproduktiven Gesundheit zählen
- Ihr Sexualleben und alle sexuellen Entscheidungen frei von Diskriminierung, Zwang und Gewalt zu gestalten
- In sexuellen Beziehungen Gleichheit, volle Zustimmung, gegenseitige Achtung und gemeinsame Verantwortung zu erwarten und zu fordern
Zu den Menschenrechten der Frau zählt auch ihr Recht, frei und eigenverantwortlich über ihre Sexualität betreffenden Angelegenheiten einschließlich ihrer sexuellen und reproduktiven Gesundheit frei von Diskriminierung, Zwang und Gewalt zu entscheiden. (Fourth World Conference on Women-Aktionsplattform, Art. 96 )
für alle Frauen und Mädchen, Männer und Burschen umfasst:
- Information, Beratung und Einrichtungen im Bereich Familienplanung
- Pränatale, postnatale und Entbindungsversorgung
- Gesundheitsversorgung für Kleinkinder
- Prävention und Behandlung von sexuell übertragbaren Krankheiten und von Infektionen des reproduktiven Systems
- Wo dies gesetzlich erlaubt ist, Einrichtungen für die Durchführung sicherer Schwangerschaftsabbrüche und Behandlung von abbruchspezifischen Komplikationen
- Prävention und Behandlung von Unfruchtbarkeit
- Information, Aufklärung und Beratung über menschliche Sexualität, reproduktive Gesundheit und Elternschaft
Regierungen sollen freie, freiwillige und wohlinformierte Entscheidungen, Achtung, Respekt vor der Privatsphäre, Vertraulichkeit und Behaglichkeit für KlientInnen sicherstellen und dafür sorgen, dass die angebotenen Dienstleistungen den Menschenrechten sowie ethischen und beruflichen Normen entsprechen. (Schlüsselmaßnahmen zur weiteren Durchführung des Aktionsprogramms der ICPD Art. 52 e)
Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ist ein Schwangerschaftsabbruch unsicher, wenn
- die Schwangerschaft durch eine Person beendet wird, die nicht die Qualifikationen oder die Ausbildung hat, um den Abbruch sicher durchzuführen und/oder
- der Schwangerschaftsabbruch an einem Ort durchgeführt wird, der nicht den medizinischen Mindeststandards entspricht.
Circa 45 % aller weltweit durchgeführten Schwangerschaftsabbrüche sind unsicher – obwohl der Zugang zu einem sicheren Schwangerschaftsabbruch ein Teil des Menschenrechts auf reproduktive Gesundheit ist. Im Gegensatz zu einem unsicheren Schwangerschaftsabbruch ist ein medizinisch und hygienisch korrekt durchgeführter Abbruch ein extrem sicherer Eingriff.
Durch unsichere Schwangerschaftsabbrüche werden weltweit etwa 7 Millionen Frauen pro Jahr ins Krankenhaus eingeliefert, was unter anderem enorm hohe Behandlungskosten verursacht. Unsichere Schwangerschaftsabbrüche sind auch einer der Hauptgründe für Frauensterblichkeit.
Niemand darf Frauen und Paare zur ungewollten Fortsetzung einer Schwangerschaft zwingen. Das Menschenrecht, selbst über den eigenen Körper zu bestimmen, muss geschützt werden.
Die gesetzliche Lage, also ob und unter welchen Umständen ein Schwangerschaftsabbruch erlaubt ist, variiert weltweit stark. In vielen Ländern ist der Zugang zu einem sicheren und legalen Schwangerschaftsabbruch noch immer eingeschränkt. Schwangeren und Ärzt*innen drohen oft strafrechtliche Konsequenzen, wenn sie eine Schwangerschaft beenden. In einigen Ländern, wie zum Beispiel Nicaragua (seit 2008), El Salvador (seit 1998) oder auf den Philippinen, ist ein Schwangerschaftsabbruch sogar unter allen Umständen verboten – selbst dann, wenn das Leben oder die Gesundheit der Schwangeren in Gefahr ist (vgl. Guttmacher Institute 2022).
Das Gesetz eines Landes hat in der Praxis keinerlei Auswirkung darauf, wie viele Abbrüche dort durchgeführt werden. Schwangerschaftsabbrüche werden in allen Ländern der Welt durchgeführt, egal ob sie per Gesetz erlaubt sind oder nicht. Restriktive Gesetze haben aber zur Folge, dass Betroffene auf heimliche und unsichere Abbrüche zurückgreifen, oder dazu gezwungen sind, eine gesundheitsgefährdende Schwangerschaft auszutragen. Sie sind eine Gefahr für die Gesundheit und das Leben der Schwangeren: Durch unsichere Schwangerschaftsabbrüche werden weltweit etwa 7 Millionen Frauen pro Jahr ins Krankenhaus eingeliefert. Unsichere Abbrüche sind für 5 bis 13 % aller Todesfälle im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt verantwortlich, überwiegend im globalen Süden. Weltweit wird knapp die Hälfte (45%) aller Schwangerschaftsabbrüche unsicher durchgeführt (vgl. Weltbevölkerungsbericht 2022).
Fast die Hälfte aller weltweiten Schwangerschaften ist ungeplant. Das sind pro Jahr circa 121 Millionen ungeplante Schwangerschaften. Mehr als 60 % dieser Schwangerschaften enden in einem Schwangerschaftsabbruch (vgl. UNFPA 2022).
Die Entscheidung einer Frau oder eines Paares, nicht durch eine gesamte Schwangerschaft zu gehen, muss respektiert werden. Trotzdem gibt es internationale Einigkeit, dass Schwangerschaftsabbrüche keine Methode der Familienplanung sind. Das bedeutet, dass es einen Zugang zu sicheren Schwangerschaftsabbrüchen geben muss, und gleichzeitig sollen sich Länder dafür einsetzen, dass sie ungewollte Schwangerschaften (und damit Schwangerschaftsabbrüche) verhindert. Dieses Ziel wird durch sexuelle Bildung, den Zugang zu Verhütungsmitteln und zu Information darüber und durch die Stärkung der Rolle der Frau erreicht.
Vor allem die sexuelle Bildung von jungen Menschen aller Geschlechter ist ein wichtiger Bestandteil, um ungewollte Schwangerschaften von jungen Mädchen zu vermeiden. So wir auch Bewusstsein für respektvolle Sexualität und selbstbestimmte Familienplanung geschaffen.
Forderungen der Plattform 20000frauen zu Schwangerschaftsabbruch und Verhütung
http://zwanzigtausendfrauen.at