Notfallverhütung "Pille-danach"

Tipp: Da es sich bei der "Pille-danach" um eine Notfall-Verhütung handelt, sollte sich diese in der Hausapotheke befinden!

In Österreich sind 2 Arten "Pille-danach" mit unterschiedlichen Wirkstoffen rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Ablaufdatum beachten!

Pille-danach Pille-danach

"Pille-danach" mit dem Wirkstoff Levonorgestrel: zum Beispiel Vikela®, Postinor®, Levodonna®

Einnahme innerhalb von 72 Stunden/3 Tage nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr oder einer Verhütungspanne. Je früher desto besser!

"Pille-danach" mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat: ellaOne®

Einnahme innerhalb von 120 Stunden/5 Tage nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr oder einer Verhütungspanne. Je früher desto besser!
Etwa 2 Tage vor dem Eisprung, also in der Zeit der höchsten Empfängniswahrscheinlichkeit, steigt das sogenannte luteinisierende Hormon an, das den Eisprung auslöst. Nur Ulipristalacetat kann in dieser Phase den Eisprung noch verschieben und damit eine Befruchtung verhindern.

Monatszyklus/Fruchtbarkeit

Unter Zyklus wird der Abstand zwischen dem ersten Tag der letzten Menstruation /Regelblutung und dem ersten Tag der folgenden Menstruation verstanden. Blutungen können von der Dauer und der Stärke her unterschiedlich sein. Zyklen können zwischen 21 und 35 Tage dauern und dadurch variiert auch der Zeitraum der Fruchtbarkeit von Zyklus zu Zyklus. Ungefähr 14 Tage vor der nächsten Regelblutung kommt es zum Eisprung. Das heißt das im Eierstock gereifte Ei tritt aus seinem Bläschen heraus und wandert in einen der beiden Eileiter. Die Eizelle ist nach dem Eisprung circa 6 bis 24 Stunden befruchtungsfähig. Im Laufe der nächsten vier bis fünf Tage setzt das Ei seinen Weg in die Gebärmutter fort. Ist das Ei als Folge eines Geschlechtsverkehrs befruchtet worden, nistet es sich in der Gebärmutter ein, teilt sich und entwickelt sich weiter. Vorsicht: Samenzellen sind ca. fünf Tage nach einem Geschlechtsverkehr noch in der Lage ein reifes Ei zu befruchten. Wurde das Ei nicht befruchtet, löst es sich auf, die aufgebaute Schleimhaut der Gebärmutter wird abgestoßen und die Frau hat ihre Menstruation.

"Pille-danach" Anwendung - Warum?

Sie hatten Geschlechtsverkehr und einer oder mehrere Punkte treffen zu:

  • Das Kondom ist gerissen oder abgerutscht
  • Keine Verhütungsmethode wurde angewendet
  • Der ungeschützte Geschlechtsverkehr war erzwungen
  • Die Pille wurde nicht rechtzeitig eingenommen
  • Es wird mit der Pille verhütet und noch ein anderes Arzneimittel eingenommen
    (Fragen Sie Ihre Apothekerin/ihre Ärztin, welche Arzneimittel die Wirkung der Pille beeinträchtigen können.)
  • Sie verhüten mit der Pille und innerhalb von 3 Stunden nach der Einnahme haben Sie Durchfall oder müssen erbrechen.

Jede Verhütungsmethode hat ihre Vor- und Nachteile sowohl hinsichtlich Sicherheit, Anwendungsweise und Akzeptanz. Da Sexualität auch spontan passiert, sind Fehler bei der Anwendung der gewählten Methode oder ein ungeschützter Geschlechtsverkehr immer möglich. Da Menstruationszyklen unterschiedlich lang sein können, ist das Risiko einer Schwangerschaft, unabhängig vom Zyklustag, an dem der ungeschützte Geschlechtsverkehr stattgefunden hat, schwer auszuschließen. Mit der "Pille - danach" haben Sie die Möglichkeit nach einem solchen "Unfall" die Verhütung "nachzuholen". Wenn Sie rechtzeitig reagieren verschiebt die "Pille – danach" den Eisprung um ein paar Tage nach hinten. In dieser Zeit sterben die Spermien ab und eine Befruchtung wird verhindert.

Anwendung - Wann?

Nehmen Sie die "Pille – danach" innerhalb von 72 Stunden (Levonorgestrel) bzw. 120 Stunden (Ulipristalacetat) nach einem unzureichend geschützten Geschlechtsverkehr ein. Je früher desto besser! Sollten Sie innerhalb von drei Stunden nach der Einnahme erbrechen, müssen Sie die Einnahme wiederholen.

Verhütung - Danach?

Bis zum Einsetzen der nächsten Monatsblutung sollten Sie Kondome (oder spermizide Cremes, Diaphragma) benützen, da die "Pille-danach" den Eisprung nur verschiebt. Falls Sie die normale Pille verwenden, empfiehlt es sich, die Einnahme zusätzlich (zum z.B. Kondom) bis zum Ende der Packung fortzusetzen, um Regelstörungen zu vermeiden.

Wirkung - Ja/Nein?

Nach Einnahme der "Pille-danach" sollte Ihre Monatsblutung sollte zum üblichen Zeitpunkt (+/- 3 Tage) einsetzen und sollte dieselbe Stärke wie immer haben. Sollte die Monatsblutung länger als 5 Tage ausbleiben oder Ihnen die Blutung anders als normal vorkommen, machen Sie einen Schwangerschaftstest oder sprechen Sie mit Ihrer Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt.

Wirkung - Wie?

Die "Pille - danach" hemmt die Follikelreifung und verschiebt den Eisprung, wenn sie rechtzeitig vor dem Eisprung eingenommen wird. In dieser Zeit sterben die Spermien ab und eine Befruchtung wird verhindert. Nach einem Eisprung ist die "Pille - danach" wirkungslos und hat keinen Einfluss auf die Einnistung des Eies, wenn es schon zu einer Befruchtung gekommen ist. Nur die "Pille-danach" mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat kann 2 Tage vor dem Eisprung diesen noch verschieben.

Eine bereits bestehende Frühschwangerschaft wird durch die "Pille - danach" nicht beeinflusst und auch durch deren Anwendung nicht abgebrochen.

Eine Vergleichsstudie hat folgende Schwangerschaftsraten ergeben1

  • 5,5% der Betroffenen werden schwanger, wenn sie nur abwarten und hoffen.
  • 2,3% der Betroffenen werden schwanger, wenn sie binnen 24 Stunden die "Pille-danach" mit dem Wirkstoff Levonorgestrel nehmen.
  • 0,9% der Betroffenen werden schwanger, wenn sie binnen 24 Stunden die "Pille-danach" mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat nehmen.

Nebenwirkungen - Welche?

Auftreten können:

  • Vorübergehende Übelkeit (manchmal)
  • Erbrechen (manchmal)
  • Schmierblutungen (manchmal)
  • Kopfschmerzen, Schwindel, Brustspannen (selten)

Langfristige Verhütung - Ja/Nein?

Die "Pille – danach" ist kein Verhütungsmittel zur regelmäßigen oder dauerhaften Verhütung:

  • Die Sicherheit anderer Methoden ist höher
  • Der Preis für eine einmalige Anwendung ist höher als zum Beispiel der Preis einer Monatspackung der normalen Pille
  • Länger anwendbare Verhütungsmittel sind besser verträglich

Zugänglichkeit

Die "Pille-danach" ist in Österreich in jeder Apotheke rezeptfrei erhältlich. Die Kosten betragen ab circa 13 Euro (Wirkstoff Levonorgestrel) bis circa 32 Euro (Wirkstoff Ulipristalacetat).

Ein Erklärvideo finden Sie unter folgendem Link: https://www.youtube.com

Verhüten - Aber Wie?

Die Entscheidung über eine passende Verhütungsmethode sollten Sie im Idealfall gemeinsam mit Ihrem Partner und nach einer Beratung durch Ihre Frauenärztin/Ihrem Frauenarzt treffen. Wichtig ist, dass Sie mit der gewählten Methode gut zurechtkommen, diese sicher in der Anwendung und leicht erhältlich für Sie ist. Prinzipiell sollte Ihnen klar sein, ob Sie sich für längere Zeit schützen wollen oder sich jedes Mal neu entscheiden wollen. Zusätzlich sollten Sie überlegen, ob Sie durch sexuell übertragbare Erkrankungen gefährdet sind. Die "Pille - danach" schützt nicht vor sexuell übertragbaren Erkrankungen! Ein Beratungsgespräch sollten Sie vor allem dann suchen, wenn Ihnen mit der momentan angewandten Methode häufiger Verhütungspannen passieren oder sie unsicher sind, welche Verhütungsmethode zu ihnen passt.

"Die "Spirale – danach"?

Innerhalb von 5 Tagen nach einem ungeschützten Geschlechtsverkehr kann die "Spirale-danach" eingesetzt und dadurch eine Schwangerschaft vermieden werden. Die "Spirale-danach" verhindert die Einnistung eines bereits befruchteten Eies. Die "Spirale-danach" ist eine "normale" (Kupfer- oder Hormon-)Spirale und kann für die normale Wirkungsdauer (5 Jahre) liegen bleiben.

Keine Verhütungsmethoden

  • Aufpassen (Coitus interruptus, "Rausziehen")
  • Tage zählen
  • Nichts tun

Informationen

Beratungsstellen der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung
www.oegf.at

Online-Beratung "Herzklopfen" für junge Leute österreichweit zu den Themen Liebe, Sex und Beziehung
www.firstlove.at/herzklopfen

ÖGF First Love Beratungsstellen
www.firstlove.at

Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs
www.gesundheit.gv.at

Apothekerkammer
www.apotheker.or.at

Österreichische Ärztekammer
www.aek.or.at

Netdoktor
www.netdoktor.at

Amtshelfer im Internet
www.help.gv.at

Informationen zur "Pille – danach"
www.vikela.info
www.ellaOne.de
www.die-pille-danach.at

1 Quellen: Baird D. D. et al. Application of a method for estimating day of ovulation using urinary estrogen and progesterone metabolites. Epidemiology 1995, 6,547-550. | Trussel, J. et al. New estimates of the effectiveness of the Yuzpe regimen of emergency contraception. Contraception 1998, 57, 363–369. | Brache, V. et al. Ulipristal acetate prevents ovulation more effectively than levonorgestrel: analysis of pooled data from three randomized trials of emergency contraception regimens. Contraception 2013, 88, 611-618. | Glasier, A. F. et al. Ulipristal acetate versus levonorgestrel for emergency contraception: a randomised non-inferiority trial and metaanalysis. | The Lancet 2010, 375, 555-562