Sexualpädagogik

"… Alle Menschen haben Anspruch auf Bedingungen, die das Streben nach einer lustvollen Sexualität ermöglichen. Lust basiert auf Selbstbestimmung des Individuums und Autonomie innerhalb der Beziehung. Diese Selbstständigkeit muss durch vorhandene öffentliche Maßnahmen wie Sexualerziehung, Gesundheitsdienste, Freiheit von Zwang und Gewalt sowie durch die Entwicklung einer Ethik in Fragen der Gerechtigkeit, Gleichstellung und Freiheit gewährleistet werden. Da Lust ein wesentlicher Aspekt der Sexualität ist, darf das Recht, Lust anzustreben und auszudrücken und zu entscheiden, wann Lust erlebt wird, niemandem verweigert werden." (Sexuelle Rechte: Eine IPPF Erklärung, Allgemeine Grundsätze, Grundsatz 4)

"Alle Menschen haben grundsätzlich und gleichberechtigt das Recht auf Bildung und Information im Allgemeinen sowie auf umfassende Sexualerziehung und -information, die notwendig und nützlich sind, um volle Bürgerrechte und Gleichstellung im privaten, öffentlichen und politischen Bereich in Anspruch nehmen zu können …" (Sexuelle Rechte: Eine IPPF Erklärung, Sexuelle Rechte sind sexualitätsbezogene Menschenrechte, Artikel 8)

Was bedeutet Sexualpädagogik für die ÖGF?

Sexualität ist ein natürlicher und wertvoller Aspekt des Lebens, ein notwendiger und grundlegender Teil unseres Menschseins. Um ein Höchstmaß an Gesundheit zu erreichen, müssen Menschen in der Lage sein, über ihr sexuelles und reproduktives Leben selbst zu entscheiden, und das Gefühl haben, ihre eigene sexuelle Identität frei und selbstbewußt ausdrücken zu können. (Sexuelle Rechte: Eine IPPF Erklärung, Vorwort)

Ein einigermaßen selbstbewußter und lustvoller Umgang mit Sex ist nur dann möglich, wenn die Jugendlichen gut informiert sind und auch wissen, an wen sie sich vertrauensvoll wenden können. Eltern, Lehrerinnen und Lehrer sind nicht immer die geeignetsten Ansprechpersonen; manch heikle Frage verlangt nach Anonymität. Gute Beratungseinrichtungen sollten Sexualpädagogik anbieten, die ohne Schwellenangst in Anspruch genommen werden kann.
IPPF-Erklärung (679 KB PDF)

Sexualpädagogik und Jugendberatung - Aufgabenfeld der ÖGF

Angebote für Jugendliche zu Partnerschaft und selbst bestimmter Sexualität, zu Familienplanung und zu Verhütung sind ein wichtiges Aufgabenfeld der ÖGF-Jugendberatung und der Sexualpädagogik. Mädchen und Jungen, junge Frauen und Männer werden zu den Themen Sexualität und Partnerschaft informiert, begleitet und unterstützt.

Sexualpädagogische Programme, die im Konzept der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte verankert sind, vermitteln die Werte des gleichberechtigten Miteinanders von Frauen und Männern und die Anerkennung der Menschenrechte. (ÖGF-Positionspapier, Seite 5, Positionspapier (182 KB PDF))

Sexualpädagogische Angebote und Jugendberatung der ÖGF

Der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung ist es seit vielen Jahren ein Anliegen, die Jugendsexualberatung und die sexualpädagogischen Angebote für Jugendliche von 12 bis 19 Jahren auszuweiten und zu verbessern. Es herrscht nach wie vor großes Unwissen und Unsicherheit bei Jugendlichen im Zusammenhang mit der Vermeidung von ungewollten Schwangerschaften sowie sexuell übertragbaren Infektionen (STIs). Häufig geht dies einher mit einer prinzipiellen Unsicherheit/mit einem prinzipiellen Unwissen gegenüber dem eigenen Körper und der sich entwickelnden Sexualität. Eltern, Lehrerinnen und Lehrer stehen dieser Unsicherheit bei der Sexualberatung von Jugendlichen häufig rat- und sprachlos gegenüber.

Die Themen, für die sich Jugendliche im Zusammenhang mit ihrer Sexualität interessieren sind unter anderem:

  • (Informationen zur) Körperentwicklung während der Pubertät,
  • sexuelle Praktiken,
  • Verhütung,
  • Schwangerschaft,
  • Schwangerschaftsabbruch,
  • Geburt,
  • sexuell übertragbare Infektionen und Prävention,
  • der erste Frauenarztbesuch,
  • Beziehung, Kennenlernen,
  • sexuelle Orientierung/Identität usw.

Ein großes Anliegen der ÖGF ist es, geeignete Maßnahmen zu setzen, die Jugendliche dabei unterstützen, ihren Körper und ihre (sexuellen) Bedürfnisse verstehen zu lernen und verantwortungsbewusst(er) mit dem Thema Verhütung umzugehen.

Studie "sich(er) lieben"

Die Studie "sich(er) lieben" der ÖGF, erhebt nicht nur das definitive Wissen bzw. Verhalten im Zusammenhang mit Verhütung, sondern auch mögliche Einflussfaktoren.
(Studie sicher lieben, Vorwort von Drin Claudia Linemayr-Wagner, Präsidentin der ÖGF)
Studie "sich(er) lieben" (1994 KB PDF)

Methoden und Gruppenarbeit


Sexualpädagogische Gruppenarbeit in einer ÖGF - Beratungsstelle

Die ÖGF bietet sexualpädagogische Gruppenarbeit in Familienplanungsstellen (AKH, Donauspital, Hanusch-Krankenhaus, Gesundheitszentrum Wien Mitte, KFJ, Weinviertel-Klinikum Korneuburg) an. Das genaue Besuchsprogramm und spezielle Wünsche können mit dem Sexualpädagoginnen und Sexualpädagogen der ÖGF abgesprochen werden.

Mobil: 0681/205 653 39
E-Mail: firstlovemobil@oegf.at

Sexualpädagogische Gruppenarbeit in Schulen oder Jugendeinrichtungen

Um auch Jugendliche zu erreichen, die den Weg in Beratungsstellen scheuen, hat die ÖGF First Love Mobil ins Leben gerufen. Das sexualpädagogische Team kommt regelmäßig in das Jugendzentrum Ottakring und bietet dort neben individueller Beratung rund um Liebe, Sexualität und Verhütung auch themenzentriertes Arbeiten in Gruppen an. Diese niederschwellige Arbeitsweise regt Auseinandersetzungsprozesse bei Jugendlichen an, die außerhalb des Jugendzentrums wenige Möglichkeiten zu Information und Diskussion haben. First Love Mobil kommt auf Einladung auch in andere Jugendgruppen.

Im Rahmen von Projektwochen, in denen Schulen oder außerschulische Jugendinstitutionen den Bereich der sexuellen und reproduktiven Gesundheit behandeln, besteht die Möglichkeit, ein Beratungsteam einzuladen. In ca. drei Schulstunden wird mit den Jugendlichen zu den Themen Liebe, Sexualität und Körper gearbeitet. Gewünschte zusätzliche Themenbereiche können mit den Sexualpädagoginnen und Sexualpädagogen der ÖGF im Vorhinein abgeklärt werden.

Mobil: 0681/205 653 39
E-Mail: firstlovemobil@oegf.at

Materialien der ÖGF zur Sexualpädagogik


Der Verhütungskoffer

Der ÖGF-Koffer unterstützt Sie beim anschaulichen Sprechen über das Thema Kontrazeption. Wenn Sie den Koffer verwenden, sollten Sie sich vor Augen halten, dass die genaue Kenntnis von Verhütungsmitteln und deren Anwendung, ebenso wie Wissen um körperliche und biologische Vorgänge, häufig geringer sind, als normalerweise angenommen wird und als die Betroffenen zugeben.

Es gibt kein optimales Verhütungsmittel. Die Wahl eines Kontrazeptivums ist immer eine subjektive Entscheidung, die nach der individuellen Lebenssituation getroffen werden sollte. Sicherheit und Wirksamkeit einer Methode werden neben anderen Faktoren durch die persönliche Einstellung zur angewandten Methode beeinflusst.
Verhütungskoffer

Methodenhandbuch zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit

Im österreichischen Schulsystem ist Sexualerziehung – also Unterricht in Fragen der sexuellen und reproduktiven Gesundheit und Rechte – ein "Unterrichtsprinzip", so wie "politische Bildung". Im einschlägigen Erlass wird Sexualerziehung als ein Teil der Erziehung gesehen, in dem die Schule die Aufgabe hat, ein Wertewissen aufzubauen und es "im Geiste der Achtung unterschiedlicher gesellschaftlicher Werte" zu diskutieren.

Außerdem hat die Schule auch die Aufgabe, falsche Informationen zu berichtigen und unzeitgemäße Rollenbilder zu korrigieren. Das Unterrichtsprinzip der „Erziehung zur Gleichstellung von Frauen und Männern“, das dem Gedanken des Gender Mainstreaming folgt, unterstützt eine der Hauptaufgaben der Sexualerziehung: jungen Menschen das Bewusstsein zu vermitteln, Beziehungen unter dem Aspekt der Gleichberechtigung und des verantwortungsvollen Umgangs mit der Sexualität zu entwickeln. Sexualerziehung unterstützt Kinder und Jugendliche beim Finden der eigenen Identität und lässt sie Sexualität als "wichtigen, natürlichen und positiven Aspekt unseres Menschseins" erfahren.

Wie Schulen diese Aufgaben umsetzen können, zeigt das Methodenhandbuch zur sexuellen und reproduktiven Gesundheit der ÖGF: es beschreibt zahlreiche Möglichkeiten der Vermittlung der unterschiedlichen Bereiche der sexuellen und reproduktiven Gesundheit. (ÖGF-Newsletter, "Jugendsexualität")
Methodenhandbuch

Weitere Materialien
Materialien wie Broschüren, Flyer und Informationsmappen finden Sie unter dem Menüpunkt Materialien.

Kursangebote der ÖGF für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zum Thema Sexualpädagogik


Sexualpädagogische Arbeit mit Jugendlichen (unter Berücksichtigung des interkulturellen Kontextes)

Einblicke und Möglichkeiten in/aus Theorie und Praxis der sexualpädagogischen Arbeit mit Jugendlichen

Zu den Schwerpunkten zählen unter anderen:

  • Darstellung der derzeitigen Situation jugendlicher Sexualwelten anhand qualitativ gesicherter Studien (sexuelle Lebensstile, geschlechtsspezifische Unterschiede, kulturelle Besonderheiten etc.)
  • Sexualität und Sprache
  • Sexuelle Orientierungen und Identitäten
  • Geschlechtssensible Pädagogik (Mädchen- und Jungenarbeit)
  • Umgang mit Jugendlichen im interkulturellen Kontext
  • Sexualität und Internet (Pornographie im Internet, Internet als Kommunikations- und Informationsort der Jugendlichen)
  • Sexualpädagogische Methodik (Rollenspiele, soziometrische Übungen, Blackbox, etc.)
  • Reflexion und Diskussion der eigenen Werthaltungen als Grundlage für die sexualpädagogische Begleitung von Jugendlichen

Weitere Informationen finden Sie unter dem Menüpunkt Kurse.

Die International Planned Parenthood Federation (IPPF) hat folgendes Manifest zum Thema Jugend verfasst:

Das IPPF-Jugend-Manifest

  1. Basierend auf folgenden Tatsachen: Junge Menschen (im Alter von 10 bis 24 Jahre) sind sexuell aktiv, auch wenn nicht alle Geschlechtsverkehr haben
  2. Junge Menschen haben die gleichen sexuellen und reproduktiven Rechte wie erwachsene Menschen
  3. Junge Menschen sind keine uniforme Gruppe, sie unterscheiden sich im Alter, Geschlecht, sexueller Orientierung, Ethnie, Religion, Kultur, Behinderung, sozioökonomische Umstände und Familienstand.

Damit sind ihre Bedürfnisse verschieden und unterschiedliche Ansätze sind notwendig, um alle jungen Menschen zu erreichen. wurden vom International Youth Committee der IPPF (International Planned Parenthood Federation) grundlegende Rechte betreffend der sexuellen und reproduktiven Gesundheit von jungen Menschen definiert.

Junge Menschen haben ein Recht

  • auf umfassende Sexualerziehung und –aufklärung
  • auf qualitative Informations-, Beratungs- und Unterstützungsangebote, die ihre Bedürfnisse berücksichtigen und auf sie zugeschnitten sind d.h.: vertraulich, erschwinglich, nicht vorschnell urteilend, "jugend-freundlich" und umfassend
  • auf diese Angebote, auch dann, wenn sie am Rande der Gesellschaft stehen
  • darauf, ihre Ausbildung während und nach der Schwangerschaft mit Unterstützung der Bildungsbehörden fortzusetzen
  • frei von jeglicher Form sexuellen Missbrauchs und sexualisierter Gewalt zu leben
  • selbst Verantwortung für ihre sexuelle und reproduktive Gesundheit zu tragen, einschließlich der Entscheidung für eine Schwangerschaft auf umfassend informierte und ausgebildete Personen ihres Vertrauens bei der Beratung
  • auf kreative Programme und Aktivitäten, die ihre tatsächlichen Bedürfnisse ansprechen., die weder isoliert noch singulär sind, sondern durch gesicherte langfristige Finanzierung eine nachhaltige Wirkung erzielen. (ÖGF-Newsletter, "Jugendsexualität")