FGM


Weibliche Genitalverstümmelung - Female Genital Mutilation (FGM)

Weltweit sind etwa 155 Millionen Frauen genital verstümmelt. Verstreut über den ganzen Globus werden täglich rund 7.000 Mädchen und Frauen mit Messern, Glasscherben oder Rasierklingen den sinnlosen Qualen einer Verstümmelung ausgesetzt.

Je nach Tradition werden Teile der äußeren Schamlippen, die Klitoris oder beides unter meist katastrophalen hygienischen Bedingungen entfernt. Bei einer bestimmten Art der weiblichen Genitalverstümmelung werden die Geschlechtsorgane vor dem Geschlechtsverkehr und der Geburt des Kindes aufgeschnitten und danach wieder zugenäht. Dass solch eine Prozedur schwere körperliche und seelische Wunden hinterlässt, versteht sich von selbst.
Das Spektrum der Folgen ist breit gefächert: Tetanusinfektionen, Blutvergiftungen, Blutungen, Schnitte in der Harnröhre, der Blase und den Scheidenwänden, chronische Gebärmutterentzündungen und unerträgliche Schmerzen im Unterleib, psychologische Traumata, Verlust einer gesunden und lustvollen Sexualität sowie Komplikationen während der Geburt und sogar der frühe Tod.

FGM ist für die hohen Raten an Müttersterblichkeit in Afrika und Asien zumindest mit verantwortlich, wenn nicht sogar einer der Hauptgründe.

Der Eingriff wird von Laien, traditionellen GeburtshelferInnen oder gar von ÄrztInnen durchgeführt. Die Opfer sind noch sehr jung: Eine Vielzahl der Mädchen werden zwischen ihrem 4. und 14. Lebensjahr verstümmelt. In manchen Ländern, wie etwa in Äthiopien, werden schon Neugeborene dieser Menschenrechtsverletzung ausgesetzt.
Für die Verstümmelung werden je nach Region andere Gründe angeführt:
FGM diene der Kontrolle und Reduktion der weiblichen Sexualität, FGM sei ein Initiationsritus in die Weiblichkeit: nur beschnittene Frauen wären „echte“ Frauen, FGM stelle Hygiene und Fruchtbarkeit sicher, denn nur verstümmelte Frauen wären „rein“ und fruchtbar. In manchen Kulturkreisen lassen Eltern ihre Töchter genital verstümmeln, weil sie der Ansicht sind, dass sie nur so Chancen auf einen guten Ehemann haben.

Weibliche Genitalverstümmelung ist eine 5.000 Jahre alte Tradition, die nicht religiös begründet ist und vor keiner gesellschaftlichen Schicht halt macht. In 28 afrikanischen Staaten sind bis zu 90% aller Frauen und Mädchen so verstümmelt. FGM wird aber auch in weiten Teilen Asiens, dem Nahen Osten und in Europa praktiziert.

2001 fand eine Änderung der österreichischen Rechtslage bezüglich der weiblichen Genitalverstümmelung, die als schwere Körperverletzung eingestuft wird, statt: FGM ist seither auch dann strafbar, wenn das Opfer der Verstümmelung zustimmt und die Verstümmelung im Ausland stattfindet. Die Änderungen des Strafgesetzbuches basieren auf einer Initiative der Nationalratsabgeordneten Petra Bayr, Mitglied der parlamentarischen Gruppe für reproduktive Gesundheit und Entwicklung.

Die Österreichweite Plattform www.stopfgm.net setzt sich aktiv gegen weibliche Genitalverstümmelung ein und ist ebenso auf eine Initiative Petra Bayrs zurückzuführen. Stop FGM ist ein Zusammenschluss von zahlreichen österreichischen Frauen- und Menschenrechtsorganisationen sowie Organisationen aus der Entwicklungszusammenarbeit, die sich aktiv gegen diese Menschenrechtsverletzung einsetzen.