Schwangerschaftsabbruch


"unsicherer" Schwangerschaftsabbruch

Nach Definition der Weltgesundheitsorganisation, WHO, ist ein „unsicherer“ Schwangerschaftsabbruch die Beendigung einer Schwangerschaft, die durch eine Person erfolgt, welche nicht über die Qualifikationen oder Ausbildung verfügt, um diesen sicher durchzuführen, und/oder ein Abbruch, der an einem Ort erfolgt, der medizinischen Mindeststandards nicht entspricht. Im Gegensatz dazu ist ein medizinisch und hygienisch korrekt durchgeführter Schwangerschaftsabbruch ein extrem sicherer Eingriff.

Es besteht internationaler Konsens, dass der Abbruch keine Methode der Familienplanung ist. Die Prävention von Schwangerschaftsabbrüchen, durch Informationen über und Zugang zu Verhütungsmitteln, sowie durch die Stärkung der Rolle der Frau hat stets Priorität.

Es gibt aber Situationen im Leben einer Frau, in denen sie eine Schwangerschaft nicht austragen möchte oder kann. Diese Entscheidung ist im Sinn der sexuellen und reproduktiven Rechte der Frau zu respektieren. Der Zugang zu einem fachgerechten Schwangerschaftsabbruch entspricht dem Recht auf sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung der Frau.

Gesetze verhindern Abbrüche nicht

Die gesetzliche Lage variiert in den Ländern der Welt stark. In einigen Ländern, wie zum Beispiel in Nicaragua oder in Somalia, ist der Schwangerschaftsabbruch unter allen Umständen verboten. Selbst dann, wenn die Schwangerschaft das Leben der Frau gefährdet.
Die gesetzliche Lage, also ob und unter welchen Umständen der Abbruch erlaubt ist, hat aber keinerlei Auswirkung, wie viele Abbrüche tatsächlich durchgeführt werden. In Afrika, wo der Schwangerschaftsabbruch unter den meisten Umständen in den meisten Ländern verboten ist, beträgt die Abbruchsrate (das ist die Anzahl der Abbrüche pro 1.000 Frauen im Alter zwischen 15 und 44) 29. In Europa, wo der Abbruch wenigen Restriktionen unterlegen ist, liegt die Rate bei 28.
Der quantitative Unterschied ist also marginal.
Der qualitative Unterschied liegt in der Sicherheit des Vorgangs: In Regionen mit restriktiven Gesetzten wird der Abbruch zum „unsichern“ Abbruch und somit zur Gefahr für die Gesundheit und das Leben der Frau. Weltweit wird knapp die Hälfte (48%) aller Abbrüche unsicher durchgeführt. Unsichere Abbrüche sind einer der Hauptgründe für Müttersterblichkeit und werden überwiegend in den so genannten Entwicklungsländern durchgeführt.

Prävention und Bildung

Einem Abbruch geht in beinahe allen Fällen eine ungewollte Schwangerschaft voraus, die aus sexuellen Begegnungen resultiert, welche unüberlegt, unerwünscht oder erzwungen wurde oder in denen das Verhütungsmittel versagte. Denn auch bei korrekter Anwendung von Verhütungsmitteln kann es zu Pannen kommen. Daher bedarf es, Zugang zu entsprechenden Dienstleistungen, welche die ungewollte Schwangerschaft ohne Risiko für die Gesundheit und das Leben der Frau beenden.

Ein wichtiger Bestandteil, um gerade ungewollte Schwangerschaften junger Mädchen zu vermeiden, ist umfassende Sexualerziehung beider Geschlechter. Diese vermittelt nicht nur rein biologische Tatsachen, sondern schafft auch Bewusstsein für respektvolle Sexualität und selbstbestimmte Familienplanung.