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AKH
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Montag, Donnerstag, 16-19 Uhr (Anmeldung bis 18 Uhr)
Muttersprachliche türkische Beratung AKH (Montag und Donnerstag 16-19 Uhr)

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Die ÖGF Beratungsstellen sind nur während deren Öffnungszeiten telefonisch erreichbar. Bei dringenden Fragen können Sie sich an das ÖGF Büro wenden Telefon: 01 478 52 42.

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Pressetexte



20 Jahre First Love Sexualberatungsstelle für Jugendliche

Gründung:
Betrieb der Beratungsstelle "First Love" seit September 1992, im Rahmen der Familienplanung in der Krankenanstalt Rudolfstiftung an der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe, Juchgasse 25, 1030 Wien.

Ziel
Ziel der Beratungsstelle ist die Sexualaufklärung von Jugendlichen, insbesondere von Mädchen im Alter zwischen 13 und 19 Jahren. Im Rahmen von telefonischen und Face to Face Beratungen werden Jugendliche über sexuell übertragbare Krankheiten und Verhütungsmöglichkeiten informiert, Konflikte in der Partnerschaft besprochen und körperliche Veränderungen thematisiert.

Primäre Zielgruppe der Beratungsstelle sind Jugendliche zwischen 13 und 19 Jahren.

Inhaltliche Schwerpunkte der Beratungsstelle

  • gynäkologische Erstuntersuchung (auch ohne Vorlage einer E-Card und ohne Terminvereinbarung) durch speziell ausgebildete Jugendgynäkologinnen
  • Sexualberatung insbesondere junger Mädchen bis 19 Jahre über den Schutz in der Sexualität (und ihrer Partner)
  • Aufklärung über verschiedene Verhütungsmethoden, wodurch ungewollte Schwangerschaften und Schwangerschaftsabbrüche bei jungen Mädchen verhindert werden
  • Präventionsarbeit in den Bereichen HIV und anderen sexuell übertragbaren Krankheiten (z.B. Unfruchtbarkeit durch Chlamydieninfektionen,...)
  • Krisenintervention (bei ungewollter Schwangerschaft, bei Partnerproblemen, Missbrauch,...)
  • psychosoziale Vorbereitung auf die gynäkologische (Erst-)Untersuchung
  • Informationen und Auskünfte über die Homepage von "First Love"
  • mobile Beratung: Workshops in einer Beratungsstelle, in Jugendeinrichtungen sowie Schulen im Rahmen des sexualpädagogischen Unterrichts
  • Telefonberatung
  • Online-Beratung (E-Mail)

Angebote
"First Love" ist eine niederschwellige Sexualberatungsstelle für Jugendliche, die eine Kombination von Beratung durch PsychologInnen / SozialarbeiterInnen und die Möglichkeit zur gynäkologischen (Erst-)Untersuchung - auch ohne Vorlage einer E-Card und Terminvereinbarung – durch speziell ausgebildete Jugendgynäkologinnen bereitstellt.
"First Love" versteht sich als Erstanlaufstelle und Drehscheibe zu anderen sozialen Beratungseinrichtungen. Bei längerfristiger und intensiver Weiterbetreuung werden die Mädchen an niedergelassene Gynäkologinnen und Gynäkologen überwiesen.

Die Angebote von "First Love" unterstützen Jugendliche auf ihrem Weg des Erwachsenwerdens. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Körper, sowie die Übermittlung von Wissen über Verhütungsmethoden und Krankheiten, sind Grundlage dafür.

Das niederschwellige, kostenlose und anonyme Angebot von "First Love" erleichtert Jugendlichen den Zugang zur Beratungsstelle und bietet darüber hinaus einen geschützten Rahmen um Themen wie Liebe, Sex und Schwangerschaft zu behandeln.

Beratung:
Face to Face Beratungen finden jeden Montag und Mittwoch von 14 bis 18 Uhr statt.
Beratung von Mädchen und Burschen, gynäkologische Untersuchung, ohne E-Card, ohne Terminvereinbarung

Telefonberatung:
während der Öffnungszeiten der Beratungsstelle und während der Bürozeiten. Es besteht für Jugendliche auch die Möglichkeit samstags von 14 bis 18 Uhr die Telefon- und Chatberatung von Herzklopfen in Anspruch zu nehmen. Herzklopfen ist eine vom BMWFJ geförderte Einrichtung der ÖGF. Die MitarbeiterInnen des Herzklopfen Teams arbeiten auch in der "First Love" Beratungsstelle, sodass die Jugendlichen gerne beide Angebote in Anspruch nehmen, da sie "vertraute" Stimmen und Namen hören.

Informationen über das Internet (Homepage: www.firstlove.at)

Workshops / mobile Beratung:
mobile sexualpädagogische Workshops zu den Themen Liebe, Sexualität und Körper in Schulen, Jugendeinrichtungen und Besuch von Gruppen in den Beratungsstellen (nach Vereinbarung)

Im Jahr 2011 wurden insgesamt 237 Schulklassen von den "First Love" mobil - Beraterinnen und Berater besucht. Insgesamt konnten dadurch etwa 4888 junge Menschen erreicht werden. Von diesen 237 Schulklassen wiederum suchten 134 Klassen eine ÖGF-Beratungsstelle in einer Ambulanz auf. Dabei konnten 2530 Schülerinnen und Schüler erreicht werden.

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:
Österreichische Gesellschaft für Familienplanung
Telefon: 01/478 52 42
E-Mail: buero@oegf.at


ÖGF Studie 2011/12
Jugendliche, Kommunikation und Sexualität


Projekt SAFE II

Das Projekt SAFE II (Sexual Awareness for Europe), wurde 2009-2012 von der International Planned Parenthood Federation (IPPF), u.a. in Kooperation mit der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF), in mehreren europäischen Ländern durchgeführt. Ziel des Gesamtprojektes ist, den Status quo in Bezug auf sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte europäischer Jugendlicher zu erfassen. Basierend auf den gewonnen Daten sollen neue Strategien zur Verbesserung der sexuellen und reproduktiven Gesundheit junger Menschen entwickelt werden.

Im Mittelpunkt der österreichischen Studie stand die Frage inwieweit und mit wem Jugendliche über Sexualität kommunizieren und welche Auswirkungen das auf ihr Sexual- und Verhütungsverhalten hat.

Ergebnisse der Studie
Die Studie hat gezeigt, dass Jugendliche bevorzugt in einem privaten Rahmen und an einem ungestörten Orten über Sexualität sprechen.

Abhängig vom Individuum und seinem/ihrem soziokulturellen Kontext, gehören die Familie sowie der Freundeskreis, ZimmernachbarInnen und MitschülerInnen zu den Hauptansprechpersonen im Bezug auf Sexualität.

Durch die Studie wird deutlich hervorgehoben, dass auch LehrerInnen, BeraterInnen und PsychologInnen eine große Rolle als KommunikationspartnerInnen spielen.

Der Fokus bei Gesprächen über Sexualität liegt primär auf der Sexualerziehung, Verhütungsmittel, Pornographie, Freundschaft und eigene sexuelle Erfahrungen.

Dabei ist es für die Jugendlichen wichtig, die Möglichkeit zu haben, ihrer Person des Vertrauens von den eigenen Erfahrungen und Ängsten berichten zu können, Antworten auf Fragen zu erhalten und sich beraten zu lassen.

Kommunikation wirkt sich positiv auf das Sexualverhalten aus
Jugendliche, die eine/n beste/n Freund/In als KommunikationspartnerIn haben und Fragen von erwachsenen Vertrauenspersonen (Eltern, LehrerIn, BeraterIn) über Sexualität gestellt bekommen, tendieren zu einem selbstbestimmteren Sexualverhalten und sind gut über alle Aspekte der Sexualität aufgeklärt und informiert.

Diese Forschungsergebnisse zeigen, dass die Qualität der Familienatmosphäre ein Schutzfaktor bezüglich reproduktiver Gesundheit ist, und dass auch Freunde mit ihrem Rat und ihrer Anerkennung Einfluss ausüben.

Einige geschlechtsspezifische Aspekte der Kommunikation werden in dieser Studie deutlich: Mädchen sprechen über sexuelle Themen und ihre Gefühle häufiger als Jungen. Bei Burschen sind Angeben und Übertreibungen normale und akzeptierte Elemente der Kommunikation mit ihren Freunden. Mädchen neigen andererseits dazu, ihre sexuellen Erfahrungen vor ihrem Freundeskreis zu bagatellisieren oder zu verbergen.

Die Studie zeigt, dass das Interesse und die Unterstützung einer erwachsenen Vertrauensperson ein Schutzfaktor in Bezug auf das Sexualverhalten darstellt.

Empfehlungen
Die Studie unterstreicht wofür sich die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) seit Jahrzehnten einsetzt: die Forderung nach gut ausgebildeten PädagogInnen in Sexualpädagogik. Wie sich zeigt, spielen LehrerInnen, BeraterInnen und PsychologInnen eine wichtige Rolle als Ansprechperson für Jugendliche. Daher benötigen alle Lehrkräfte und KindergartenpädagogInnen eine umfassende und professionelle Ausbildung im Bereich der Sexualpädagogik.

Weiters sollte es Programme geben, die sich auf eine Zusammenarbeit mit Eltern spezialisieren, diese über Risikofaktoren informieren und Kommunikations-instrumente vermitteln, welche eine offene Atmosphäre innerhalb der Familie fördern.

Zukünftige Präventionsmaßnahmen sollten sich besonders auf Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen konzentrieren. Diese Jugendlichen sind, vermutlich aufgrund der Tendenz zu weniger offener Kommunikation in ihren Familien, für riskantes Sexualverhalten besonders anfällig. Da diese häufig auch im Allgemeinen ein riskantes Verhalten an den Tag legen (Alkoholkonsum, häufiges Ausgehen, häufiger Partnerwechsel), sollten Möglichkeiten für Präventionsmaßnahmen genauer untersucht werden.

Gezielte Prävention in diesen Gruppen kann auch vor Missbrauch, ungewollten Schwangerschaften und sexuell übertragbaren Krankheiten schützen.
Zudem fördert diese Prävention eine gesunde Selbstwahrnehmung und ein gesundes Selbstbewußtsein.

Bei Fragen wenden Sie sich an Fr. Maga Karina Ortner 0650/353 97 05
Herausgeberin: Österreichische Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) buero@oegf.at, www.firstlove.at


Einstellungen zu Sexualität bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen


"Das Erste Mal – Sexualität und Kontrazeption aus der Sicht der Jugendlichen - 10 Jahre danach"

Ziele
Im Rahmen einer Studie, welche im Auftrag der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) und in Zusammenarbeit mit der Universität Wien entstand, wurde das Thema der jugendlichen Sexualität in zahlreichen Facetten näher betrachtet. Um Veränderungen im Laufe der Zeit aufdecken zu können, wurde die Studie als Wiederholungsbefragung an die bereits im Jahr 2001 durchgeführte Untersuchung "Das erste Mal – Sexualität und Kontrazeption aus der Sicht der Jugendlichen" von Weidinger, Kostenwein und Drunecky angelehnt. Weitere Ziele waren das kritische Hinterfragen verzerrter Annahmen über jugendliche Sexualität, genauso wie das Aufdecken geschlechtsspezifischer Unterschiede.

Methode
Der Fragebogen wurde von Weidinger et al. (2001) in Anlehnung an die Studienreihe im Auftrag der BZgA (1998) erstellt und für die laufende Untersuchung leicht abgeändert. Die Fragen umfassen neben soziodemografischen Variablen die familiären Konstellationen sowie die Gestaltung von Beziehungen innerhalb der Familie. Des Weiteren wurde auf das Thema Aufklärung, auf die persönliche Einschätzung Jugendlicher über ihr eigenes Wissen und ihren Zugang zu Sexualität eingegangen. Ebenso wurde die psychosexuelle Entwicklung der Jugendlichen und jungen Erwachsenen erhoben, um sich im Anschluss daran dem Sexualverhalten zu widmen. Fragen zu Einstellung über Liebe, Beziehung und Sexualität bildeten den moralischen Hintergrund der UntersuchungsteilnehmerInnen ab. Ein neu konstruierter Wissensteil in Anlehnung an den Aufklärungsfilm "Sex, we can?!" (vgl. Hammer, Kostenwein & Wimmer-Puchinger, 2010) wurde hinzugefügt, ebenso Fragen zur Zufriedenheit mit dem eigenen Körper (vgl. BZgA, 2010). Die Erhebung umfasste insgesamt 218 Jugendliche und junge Erwachsene (115 Mädchen und 108 Burschen) im Alter zwischen 13 und 21 Jahren.

Fagestellungen
Sind junge Menschen tatsächlich immer früher bereit, sich auf sexuelle Beziehungen einzulassen? Können geschlechtsspezifische Unterschiede bezüglich der sexuellen Aufklärung angenommen werden? Können geschlechtsspezifische Unterschiede bezüglich der psychosexuellen Entwicklung angenommen werden?

Ergebnisse
Entgegen etlicher Fehleinschätzungen des Alters für die ersten sexuellen Aktivitäten konnte aufgezeigt werden, dass es zu keiner Vorverlagerung gekommen ist. Junge Menschen erleben ihr "erstes Mal" genauso wie vor einem, ja sogar wie vor mehreren Jahrzehnten, im Durchschnitt mit 16 Jahren. Dennoch konnten Faktoren aufgedeckt werden, die dazu beitragen, dass ein kleiner Anteil an Jugendlichen früher als Gleichaltrige sexuell aktiv wird. So ist es die Gruppe der frühreifen Jugendlichen und auch die Gruppe der jungen Menschen, deren Eltern getrennt leben, die ihr "erstes Mal" früher erleben. Burschen und junge Männer berichten von weniger AnsprechpartnerInnen im Zuge ihrer sexuellen Aufklärung und nutzen auch weniger vertrauenswürdige Quellen, um Informationen über Sexualität zu erhalten. Ebenso scheint die Thematik der Pornografie im Leben junger Männer einen großen Stellenwert zu haben. So gaben die männlichen Befragten nicht nur häufiger als Mädchen und junge Frauen an, pornografische Inhalte zu konsumieren, sondern waren auch der Meinung, dass man "von Pornos vieles lernen kann". Bei Mädchen und jungen Frauen fällt auf, dass sie ein negativeres Bild vom eigenen Körper haben als ihre männlichen Gleichaltrigen. Auch im Erleben der sexuellen Reife, in der Einstellung zur Selbstbefriedigung sowie in der rückblickenden Beurteilung des "ersten Mals" sind es eher Mädchen, die diese Ereignisse negativer wahrnehmen. Dieser Trend hat sich im letzten Jahrzehnt sogar verschlechtert.

Conclusio
Es kann zusammenfassend gesagt werden, dass die Annahme des Alters für das "erste Mal" immer wieder zu niedrig ausfällt. Um solche Verzerrungen zu vermeiden, müssen unbedingt Risikogruppen berücksichtigt werden. Des Weiteren fällt auf, dass sich Mädchen und Burschen sehr stark durch ihren Zugang zur Sexualität unterscheiden. Dabei haben Mädchen ein negativeres Körperselbstbild und erleben ihren Übergang vom Mädchensein zum Frausein negativer als Burschen zum Mannsein. Bei Burschen fällt auf, dass sie weniger zuverlässige Wissensquellen zum Thema Sexualität nutzen und sie scheinen weniger zuverlässige Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zu haben.

Empfehlungen
Die Ergebnisse der Untersuchung verdeutlichen eindrucksvoll die Notwendigkeit einer geschlechtssensiblen Lehr- und Beratungskultur. Mädchen und junge Frauen müssen dabei unterstützt werden ein positives Körperselbstbild aufzubauen. Burschen und junge Männer sollten dazu ermächtigt werden einen geeigneten Umgang mit medialen Aufklärungsquellen zu entwickeln. Des Weiteren scheint es wichtig adäquate schulische Konzepte zu entwickeln, welche mehr Raum für "tabuisierte Themen" wie Pornografie oder Selbstbefriedigung bieten. Aber auch die sexualpädagogische Ausbildung für alle Lehrkräfte erscheint notwendig. Schlussendlich müssen geeignete Präventionsprogramme für junge Menschen entwickelt werden, die gewissen Risikogruppen angehören.

Bei Rückfragen zur Studie wenden Sie sich bitte an
Maga Striliċ Martina
Telefon: 0680/501 03 28
E-Mail: m.strilic@gmail.com


Pressetext zum Flyer "Das Jungfernhäutchen – Fakten und Mythen"

Um den gängigen Ammenmärchen rund um das Jungfernhäutchen entgegen zu treten, veröffentlicht die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung einen jugendgerechten Flyer mit dem Titel "Das Jungfernhäutchen –Fakten und Mythen". Dieser wird in Zukunft auch in mehreren Sprachen erhältlich sein. Durch den Flyer wird ein Aufklärungsbeitrag geleistet, der Körperwissen von sexualmoralischen Vorstellungen trennt – eine Vermischung, die nicht selten zu zahlreichen Ängsten und Problemen führt.

Der Begriff Jungfrau kann eine junge Frau, aber auch einen jungen Mann bezeichnen, die/der bisher noch keinen Geschlechtsverkehr hatte. Unter dem Begriff Geschlechtsverkehr verstehen unterschiedliche Kulturen und Länder häufig wiederum etwas anderes. Das österreichische Gesetz versteht darunter: Vaginal-, Oral- bzw. Analsex. Persönliche Definitionen des Begriffs Jungfrau können von dieser Definition abweichen.

Wir leben heute in einer pluralisierten, differenzierten Welt und die Thematik "Jungfräulichkeit" scheint für die meisten Männer und Frauen aus einem aufgeklärten, säkularisierten Milieu keine große Rolle mehr zu spielen. Dennoch erleben wir in multikulturellen Milieus häufig, dass es Mädchen und Burschen gibt, denen es religiös-kulturell bedingt wichtig ist, jungfräulich in die Ehe zu gehen. Fällt diese Entscheidung selbstbestimmt, so ist sie eine von vielen, wie man sein Liebes- und Begehrensleben gestalten möchte.

Problematisch wird es erst, wenn die Bedeutung der Jungfräulichkeit mit Mythen und falschen Darstellungen über das sogenannte "Jungfernhäutchen" vermischt wird. D.h., wenn der Irrglaube bzw. die Tradition vorherrscht, jede Frau würde beim ersten Vaginalsex bluten und man könne folglich die Jungfräulichkeit überprüfen. Meist hängt an diesem Beweis die Ehre des Vaters und der ganzen Familie.

Aus dieser allgemein falschen Vorstellung heraus, konnten sich zahlreiche Schauergeschichten entwickeln, die erheblichen Einfluss auf den Lebensalltag von Mädchen haben, sie verunsichern und unter Druck setzten; z.B.:

  • wenn das Mädchen Jungfrau ist, blutet es immer beim ersten Geschlechtsverkehr. In Wahrheit bluten die meisten Frauen nicht.
  • das Jungfernhäutchen könne durch sportliche Aktivitäten (Reiten, Gymnastik....) reißen: nicht selten bleiben deshalb Mädchen vom Sportunterricht fern;
  • man könne sich durch die Benutzung des Tampons selbst "entjungfern": viele Mädchen verzichten auf ein Tampon, das manchmal praktischer sein könnte;
  • ein Mann oder ein Junge könne fühlen, ob ein Mädchen noch Jungfrau ist; eine Ärztin / ein Arzt kann feststellen, ob ein Mädchen schon Sex hatte oder nicht: häufig werden Ärztinnen und Ärtze aufgesucht mit dem Auftrag, die Jungfräulichkeit eines Mädchens zu bestimmen...

Vorgestellter Flyer verfolgt nicht das Ziel, sexualmoralische Haltungen anzugreifen, sondern informiert jugendgerecht, deckt Mythen auf, reduziert Ängste und dient als Aufklärungsinstrument für Beraterinnen und Berater.
Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung leistet damit einen weiteren Beitrag zur Sexualaufklärung, welche Voraussetzung für ein selbstbestimmtes Sexualleben darstellt.

Flyer "Das Jungfernhäutchen" (244 KB PDF)

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an Frau Maga Sabine Ziegelwanger, Telefon: 0650/267 3337
Herausgeberin der Broschüre ist die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF);
Kontakt: 01 478 52 42, buero@oegf.at


Presseaussendung 12.12.2012


Schlechtes Zeugnis für Sexualerziehung an österreichischen Schulen

Wien. Was passiert wenn ein Mann und eine Frau miteinander schlafen? Welche Verhütungsmethode passt zu mir? Wie gehe ich mit einer ungewollten Schwangerschaft um?

Auf diese und viele andere Fragen rund um das Thema Sexualität erhalten Jugendliche seit 20 Jahren in den First Love Ambulanzen der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung (ÖGF) eine Antwort. In drei Wiener Krankenhäusern stehen Jugendlichen wöchentlich BeraterInnen und FrauenärztInnen kostenlos und anonym zur Verfügung. "Die First Love Ambulanzen haben noch immer einen sehr hohen Zulauf, da die Jugendlichen zum Großteil nicht ausreichend aufgeklärt werden. Dies spricht einerseits nicht für die Sexualaufklärung der Jugendlichen durch die Eltern und andererseits auch nicht für den Sexualunterricht in Schulen und sollte als Signal an das Bundesministerium gesehen werden, die Ausbildung der PädagogInnen zu verbessern", so Drin Claudia Linemayr-Wagner, Vorstandsmitglied der ÖGF.

Schule wichtigste Quelle für Fragen zur Sexualität
Auch die ÖGF-Studie "Einstellungen zu Sexualität bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen", welche 2011 als Wiederholungsstudie der Umfrage von 2001 durchgeführt wurde, verdeutlicht wie wichtig die sexualpädagogische Ausbildung der Lehrkräfte ist. Die befragten Jugendlichen gaben die Schule als Hauptquelle für erste Fragen zur Sexualität an. Die männlichen Befragten berichteten auch, dass sie weniger AnsprechpartnerInnen zum Thema Sexualität haben und scheinen weniger bis keine vertrauenswürdige Quellen zu nutzen wie zum Beispiel die Pornographie.

Entgegen der gängigen Vorurteile hat sich das Durchschnittsalter von 16 Jahren beim ersten Geschlechtsverkehr in den letzten 10 Jahren nicht verändert. Der Trend, dass Mädchen und junge Frauen die eigene sexuelle Reife, Selbstbefriedigung sowie das "erste Mal" negativer bewerten als die männlichen Befragten, hat sich seit 2001 verstärkt. "Die Ergebnisse der Untersuchung verdeutlichen eindrucksvoll die Notwendigkeit einer geschlechtssensiblen Lehr- und Beratungskultur", so die Studienleiterin Maga Martina Strilic. "Es müssen adäquate schulische Konzepte entwickelt werden, welche u.a. Raum für tabuisierte Themen wie Pornographie und Selbstbefriedigung bieten. Dazu ist eine sexualpädagogische Ausbildung aller PädagogInnen notwendig."

Dies unterstreichen auch die Ergebnisse der qualitativen Studie "Peerkommunikation und Sexualität", die im Rahmen des dreijährigen europäischen "SAFE II" Projektes, das durch die International Planned Parenthood Federation European Network (IPPF-EN) initiiert und in Österreich von der ÖGF durchgeführt wurde. Laut dieser Studie verfügen jene Jugendliche tendenziell über ein selbstbestimmtes Sexualverhalten und sind besser aufgeklärt, die eine beste Freundin/einen besten Freund als KommunikationspartnerIn, sowie erwachsene Vertrauenspersonen, zu denen neben Eltern, BeraterInnen auch LehrerInnen gehören, haben.

Eltern-Kind-Beziehung ist wichtig für Sexualverhalten
Ein weiterer wichtiger Faktor, in Bezug auf das Sexualverhalten, stellt die Eltern-Kind-Beziehung dar. Jugendliche aus wenig unterstützenden, emotional distanzierten Eltern-Kind Beziehungen bereitet es eher Schwierigkeiten Vertrauen zu ihren Peers aufzubauen. Diese Jugendlichen neigen dazu, sich einer Peergruppe anzuschließen oder eine/n PartnerIn zu wählen, der/die sie zu sexuellen Aktivitäten drängt und/oder ablehnt Verhütungsmittel zu verwenden.

Daher empfiehlt die "SAFE II" Projektleiterin Maga Elisabeth Mistlberger, "dass sich zukünftige Präventivmaßnahmen besonders auf Jugendliche aus sozial benachteiligten Verhältnissen konzentrieren sollten."

Neue Broschüre zum Jungfernhäutchen
Um einen weiteren Beitrag zur sexuellen Aufklärung in Österreich beizutragen, veröffentlicht die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung jetzt eine Broschüre zu den Fakten und Mythen des Jungfernhäutchens. "Speziell um das Jungfernhäutchen und die damit assoziierte Jungfräulichkeit gibt es viele Ammenmärchen welche junge Mädchen verunsichern", so Maga Sabine Ziegelwanger, Sexualpädagogin der ÖGF. "Durch das Informationsmaterial und die First Love Ambulanzen können wir jedoch nicht den Aufklärungsbedarf aller Jugendlichen abgedecken. Die Hauptverantwortung liegt im Bildungssystem."

Rückfragen: ÖGF, Frau Maga Angela Tunkel, 01 478 52 42, buero@oegf.at