Historische Entwicklung

Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung wurde 1966 unter der Schirmherrschaft von Univ.Prof. Dr. Hugo Husslein gegründet, um der "Pille" in Österreich bei Ärzten die nötige Akzeptanz zu verleihen. Bei der Gründung haben sich Universitätsprofessoren für Gynäkologie und Geburtshilfe zusammengeschlossen, um mit ihrem gemeinsamen wissenschaftlichen Gewicht die Anliegen der Familienplanung besonders durch die hormonelle Kontrazeption zu fördern. Zu diesem Zeitpunkt kam es zur Einrichtung von Beratungsstellen der Österreichischen Gesellschaft für Familienplanung in Gemeindespitälern und an den Universitätskliniken in Wien.
Die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung war auch 1974 stark an den Veränderungen der gesetzlichen Situation in Österreich beteiligt. Durch die Strafrechtsreform 1974 war es möglich, das Intrauterinpessar auch österreichischen Patientinnen zugänglich zu machen, und hier hat die Österreichische Gesellschaft für Familienplanung wieder für die ärztliche Akzeptanz dieser Methode gekämpft. Zum gleichen Zeitpunkt wurde der Schwangerschaftsabbruch im ersten Trimester straffrei gestellt, und als begleitende Maßnahme Beratungsstellen für Familienplanung und Familienberatung durch das jetzige BM f soziale Sicherheit und Generationen gefördert. Das BMSG finanziert die Personalkosten, wobei aber der auftretende Sachaufwand nicht ersetzt wird.
Jahrelange Arbeit im Bereich Sexualpädagogik und Sexualerziehung wie z.B. am "Medienkoffer für Sexualerziehung" und an Broschüren wie "Glückliche Paare - Wunschkinder" prägte die Arbeit der Gesellschaft in den achtziger Jahren. Diese Erfahrungen führten zu verschiedenen Aktivitäten im Bereich Sexualerziehung. So wird ein Verhütungsmittelkoffer, der den im Medienkoffer Sexualerziehung nicht vorhandenen Bereich der Kontrazeption abdeckt, den Schulen und sonstig interessierten Institutionen und Personen angeboten. Die Verbreitung von Information, die Sexualität, sexuelle Gesundheit, Partnerschaft, Verhütung und Vermeidung unerwünschter Schwangerschaften und Prävention sexuell übertragbarer Krankheiten betreffen, speziell für Jugendliche betrachten wir als eines der wichtigen Ziele der Gesellschaft. Deshalb installierte die ÖGF 1990 das vertrauliche Telefonservice "Herzklopfen", 1992 die Sexualberatungsstelle "First Love" in der Krankenanstalt Rudolfstiftung, 1996 "First Love mobil" im Jugendzentrum Ottakring und 2001 die First Love Beratungsstelle im SMZ-Ost Donauspital. 2015 übersiedelte "First Love mobil" in das Jugendzentrum Hirschstetten. Über einen Online-Chat konnte man mit dem Herzklopfen-Team samstags zwischen 14:30 und 16:30 Uhr chatten. Die Telefon- und Chatberatung wurde Ende 2014 durch eine Online-Beratung ersetzt (www.firstlove.at/herzklopfen).
Seit ihrem Bestehen hat die Professionalität der Mitarbeiter in den Beratungsstellen und der Mediziner für uns einen hohen Stellenwert. Die Fortbildung von Gynäkologen und niedergelassenen Ärzten im Bereich Familienplanung erachten wir als äußerst wichtig und veranstalten daher wissenschaftliche Tagungen und Kurse. Diese Veranstaltungen dienen einerseits der Wissensvermittlung neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse, haben aber auch die Aus- und Fortbildung von Jungmedizinern und Beratern zum Ziel. In unseren Kursen und Workshops werden Informationen über den medizinischen Bereich der Kontrazeption, den juristischen, demographischen und soziologischen Grundlagen der Familienplanung vermittelt, aber auch die psychologischen Faktoren der Beratung und Gesprächsführung nicht außer acht gelassen.